Vom Kaiserplatz zur Josefskirche

Seit 1879 trägt der Kaiserplatz seinen Namen.

 

Kaiser und Könige haben über Deutschland geherrscht, das Land und die Menschen in Kriege und Elend gestürzt. Dennoch wurde der Platz nie umbenannt.

 

Eine Bronzeplastik mit dem Reiterstandbild von Kaiser Friedrich III. steht seit 1911 auf dem Platz. Sie erinnert an das Jahr der drei Kaiser: Wilhelm I., Friedrich III. und Wilhelm II. regierten ab 1888, wobei die ersten beiden Kaiser im selben Jahr starben.

 

Von hier aus führte der alte Römerweg nach Trier (Adalbertsteinweg). Doch bereits zur Zeit der Franzosen (um 1800) war er so marode, dass Napoleon ihn für seine Truppen und Kriege aufwendig sanieren ließ.

 

Noch heute sind die Obelisken bis tief in die Eifel sichtbar.

Kaiserplatz Adalbertkirche 1805 Louise Baissel
Kaiserplatz Adalbertkirche 1805 Louise Baissel
Kaiserplatz heute
Kaiserplatz heute

Gemüdlicher Platz: Anfang des 20. Jahrhunderts
Gemüdlicher Platz: Anfang des 20. Jahrhunderts
Verkehrsknotenpunkt heute und kein Platz mehr
Verkehrsknotenpunkt heute und kein Platz mehr

Am Kaiserplatz befindet sich die Kirche St. Adalbert, die häufig zerstört und wieder aufgebaut wurde. Sie entstand um das Jahr 1000 an der Stadtmauer und ist somit die zweitälteste Kirche in Aachen.

 

Hier stand früher das Adalbertstor. Der Adalbertturm ist das einzige, was erhalten geblieben ist.

 

Nach dem Krieg gab es sogar die Ansicht: „Wenn der Autoverkehr fließen soll, müssen die Fußgänger unter die Erde.“

 

Eine von vier Seiten zugängliche Unterführung wurde 1959 eröffnet und im Jahr 2002 wieder geschlossen. Diese Unterführung wurde bis heute nicht zugeschüttet.

 

Frühere Unterführung Kaiserplatz
Frühere Unterführung Kaiserplatz
1958 Bau Unterführung Kaiserplatz
1958 Bau Unterführung Kaiserplatz
Kaiserplatz 1963
Kaiserplatz 1963

Heute ist der Platz renoviert und erinnert nicht mehr an den Kaiserplatz aus früheren Zeiten.

 

Trotzdem bleibt es dabei: Dieser Platz ist einer der größten Verkehrsknotenpunkte in Aachen und daher extrem laut.

 

Wo früher die Straßenbahnhaltestellen waren, ist heute ein Treffpunkt für Drogenabhängige und Obdachlose. Das stellt ein echtes Problem für die Anwohner dar.


Vom vorderen Abschnitt des Adalbertsteinwegs ist nach dem letzten Weltkrieg nichts mehr übrig geblieben. Einst prächtige Fassaden im Jugend- und Gründerzeitstil sind zerstört.

 

An der Nr. 10 befand sich früher ein Schwimmbad der Rheinprovinz, das man Schwimmanstalt nannte. An dem Ort, wo zuvor Teppiche verkauft wurden, war das Kino Burgtheater.

Ein Stückchen weiter befindet sich der Steffensplatz. Früher war der Steffensplatz von Wasser umgeben - dort floss die Pau über der Erde. Heute ist sie kanalisiert. Niemand kann heute den Verlauf erkennen.

 

Der Steffensplatz ist auch heute kaum zu erkennen und hat seine eigenen Herausforderungen.

 

Schräg gegenüber stand eine Mühle: die Pulvermühle. Die Brauerei Degraa betrieb hier viele Jahre eine Gaststätte, die diesen Namen trug.

Gaststätte Pulvermühle 1953
Gaststätte Pulvermühle 1953
Adalbertsteinweg um 1900
Adalbertsteinweg um 1900

Wir machen einen kleinen Spaziergang weiter, gehen in die Rudolfstraße und dann in die Steinkaulstraße. Hier wurde ein berühmter Mann geboren: der Architekt Mies van der Rohe. Er erblickte in diesem Haus am 27. März 1886 das Licht der Welt, lebte später in der Vaalser Straße und ab 1938 in den USA.

 

Link:

Geburtshaus des Mies van der Rohe: Steinkaulstraße 69
Geburtshaus des Mies van der Rohe: Steinkaulstraße 69

Gegenüber dem Geburtshaus von Mies van der Rohe befindet sich auf dem kleinen Platz an der Scheibenstraße das Denkmal für die Straßenbahn.

 

100 Jahre lang quietschten die Aachener Straßenbahnen durch die Straßen. Hier gab es Werkstätten, Betriebshöfe und Abstellhallen. Diese Ära endete 1974, und der Stadtteil wurde umgestaltet. 

 

Wir machen uns wieder auf den Weg in Richtung Adalbertsteinweg. 

 

Auf der linken Seite fällt in der Scheibenstraße 16 ein beeindruckendes Gebäude aus rotem Backstein ins Auge. Es war die Zentrale der Elektrizitätswerke.

Straßenbahndenkmal Oberstraße. Sie fuhr bis 1974.
Straßenbahndenkmal Oberstraße. Sie fuhr bis 1974.

Weiter vorne auf dem Adalbertsteinweg steht das ehemalige ASEAG-Verwaltungsgebäude: Heute dient es als Verwaltungsgebäude der Stadt Aachen (Jugendamt).

 

Gegenüber befand sich lange die Traditionsgaststätte „Fuchsbau“. Ein beliebter Treffpunkt für Karnevalsjecken und für ein schnelles Bierchen vor oder nach der Gerichtsverhandlung.

 

Die Straße ist nicht nur sehr stark befahren, sondern heute auch meist von Billigläden geprägt. Sie lädt weder zum Shoppen noch zum Verweilen ein.


Amts- und Landgericht (Kongreßstraße)
Amts- und Landgericht (Kongreßstraße)

 

 

1888 wurde das Amtsgericht zunächst in der Kongressstraße eingeweiht.

 

1929 fand dann die Einweihung des neuen Amts- und Landgerichts am Adalbertsteinweg statt.

 

Die Geschehnisse im Gerichtsgebäude waren während der Zeit der Nazi-Diktatur berüchtigt. Viele "nichtarische" Menschen und Gegner des Naziregimes wurden nicht nur aus dem Staatsdienst entlassen. Viele von ihnen wurden inhaftiert oder verschwanden in Konzentrationslagern.

 

1941 wurde ein sogenanntes Sondergericht eingerichtet, das mit den Gegnern des Naziregimes kurzen Prozess machte.

 

Eine Gedenktafel erinnert heute an diese dunkle Zeit in der jüngeren Geschichte.

 

Link:

Neubau 1929
Neubau 1929
Gedenktafel
Gedenktafel

1874 wird eine Haftanstalt (heute das alte Gefängnis) seiner Bestimmung übergeben: Die Moulenshöhe. 

 

 

Ganz altes Gefängnis beim Umbau 1914
Ganz altes Gefängnis beim Umbau 1914
Altes Gefängnis 2004
Altes Gefängnis 2004

Heute befindet sich das Gefängnis an der Krefelder Straße.

Warum Moulenshöhe?

 

Es gibt verschiedene Versionen des Namens. Eine davon lautet:

 

Der erste Häftling trug den Namen Moulens. Um von Kaiserplatz zu dieser Haftanstalt zu gelangen, muss man den Berg hinauf (zur „Höhe“). Daraus entstand der bis heute gebräuchliche Name für die Anhöhe: „Moulenshöhe“.

 

Eine weitere Namensversion stammt von der Karnevalsgesellschaft Moulenshöher Jonge:

 

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fragte der Rat der Stadt Aachen, da es an einem Gefängnis mangelte, bei einem Bauern namens „Moulens“ an, ob er die stadtbekannten Verbrecher in Teilen seiner Stallungen unterbringen könnte.

 

Dieser Bauer war vermutlich ein Limburger, der am Oberen Adalbertsteinweg lebte. Später erwarb die Stadt Aachen das Grundstück, das leicht an einer Anhöhe lag, und errichtete dort das alte Gefängnis, das 1874 seinen ersten Einschluss hatte.


Die französische Besatzung verfügte um 1800, dass es in den Innenstädten keine Friedhöfe geben darf.

 

Deshalb wurde der Friedhof am Münsterplatz geschlossen und 1803 weit außerhalb der Stadt verlegt: auf das Gelände des heutigen Ostfriedhofs.

 

Link:

Eingang Ostfriedhof
Eingang Ostfriedhof

 

Die Geschichte der Kirchturm-Spitze

 

Die Josefskirche wurde im Jahr 1898 eingeweiht. Zu dieser Zeit sah sie noch so aus, wie auf dem Bild rechts.

 

Am Ende des Zweiten Weltkriegs erlitt sie erhebliche Schäden. Der Turm wurde ohne seine Spitze wieder aufgebaut. Viele jüngere Anwohner sind der Meinung, dass sie schon immer so ausgesehen hat.

 

Heute fungiert sie als Beerdigungsstätte und trägt den Namen Grabeskirche St. Josef.

Heute Grabeskirche
Heute Grabeskirche
Josefskirche mit Spitze um 1920
Josefskirche mit Spitze um 1920

Gegenüber befindet sich die Traditionsgaststätte „Deutschen Haus“. Das 1943 zerstörte Gebäude wurde in den 1950er Jahren wiederhergestellt. Heute versammeln sich hier viele Vereine, insbesondere Karnevalsvereine.

 

 

 

 

 

 

 

 

Neben der Josefskirche befindet sich das Schwimmbad Ost, auch bekannt als die Osthalle.

 

Die alte Schwimmanstalt am Kaiserplatz sollte modernisiert werden. Statt eines Neubaus an derselben Stelle entschied sich die Stadt 1912 für den Bau der Elisabeth-Halle.

 

Im Jahr 1961 wurde schließlich die Schwimmhalle-Ost fertiggestellt.

 

Link:

Inneneinrichtung des Deutschen Haus vor dem Krieg
Inneneinrichtung des Deutschen Haus vor dem Krieg
Straßenbahn vor der Osthalle 1960iger
Straßenbahn vor der Osthalle 1960iger
Foto vom Rothe Erde Bahnhof (Rechts Weißenbuger Str.) 1900
Foto vom Rothe Erde Bahnhof (Rechts Weißenbuger Str.) 1900

Die Stadtgrenze verlief bis zum Jahr 1900 am Adalbertstor (Kaiserplatz). Hier ging es den Adalbertsteinweg hinauf, zu der Stelle, an der heute die Josefskirche steht. 

 

Vom Kaiserplatz hinauf zur Josefskirche
Vom Kaiserplatz hinauf zur Josefskirche
Von der Josefskirche hinunter zum Kaiserplatz
Von der Josefskirche hinunter zum Kaiserplatz