Ostviertel nach dem 2. Weltkrieg

Das „1000-jährige Reich“ endete bereits nach zwölf Jahren. Aachen wurde bereits im Oktober 1944 befreit.

 

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Glücklicherweise verfehlten die Bomben der alliierten Truppen im Jahr 1943 ihre Ziele. Anstelle der Industrie- und Bahnanlagen im Ostviertel wird die damals unbewohnte Hüls getroffen.

  

1945 leben noch 101.000 Menschen in Aachen.

 

Nach der Schließung des Aachener Hüttenwerkes errichtet Englebert auf dem Gelände ein Reifenwerk. Einige Gebäude der Hütte wurden nicht abgerissen, sondern dienten Englebert als Produktions- und Forschungsgebäude.

 

Das große Bürogebäude des Stahlwerkes an der Hüttenstraße diente Englebert ab 1930 als Unternehmenszentrale. Nach dem Zweiten Weltkrieg fusionierten Englebert und Uniroyal. Uniroyal-Englebert wurde Jahre später von der Continental-Gruppe gekauft. Da sich die Continental-Zentrale in Hannover befindet und das Aachener Gebäude nicht mehr benötigt wird, Im Jahr 2009 wurde es von einer Krankenkasse ersteigert und wird seitdem von verschiedenen kleineren Firmen genutzt.

 

Die Militärs waren nach dem Zweiten Weltkrieg aus der Gelben Kaserne geflohen oder verhaftet worden. Deshalb wurde sie vorübergehend zur Heimat für viele „ausgebombte“ Familien. Eine Kaserne besteht allerdings nicht aus Wohnungen. Den Menschen war es aber wichtig, ein Dach über dem Kopf zu haben.

 

1958 siedelt sich die Firma Mahr auf der Hüttenstraße an.

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet Philips ein Glühlampenwerk und Werke für Spezialprodukte gegenüber dem Englebert-Reifenwerk. Ab den 1960er Jahren wird zunächst mit der Produktion von Bildröhren und anschließend mit der von Fernsehgeräten begonnen.

 

Die Namen Valvo und Philips hatten jahrelang einen guten Klang, wenn es um gute Arbeitsplätze ging. Die Verantwortlichen kümmerten sich jedoch nicht darum, rechtzeitig neue Produkte zu entwickeln. Nach dem Siegeszug der Flachbildschirme hat das Werk keinen Absatz mehr. Die Produktion von Fernsehgeräten mit Bildröhren wurde 2006 endgültig eingestellt.

 

Die Belegschaft unternimmt noch einen Versuch, durch Arbeitskämpfe das Steuer herumzureißen. Es gelingt ihnen leider nicht. Tausende Beschäftigte verlieren ihren Arbeitsplatz.

 

Philips betreibt heute noch ein kleines Werk mit Spezialprodukten.

Bomben auf der Hüls (oben links)
Bomben auf der Hüls (oben links)
Grundsteinlegung der Philips Fernsehproduktion 1954
Grundsteinlegung der Philips Fernsehproduktion 1954
Philips Belegschaft streikt 2005
Philips Belegschaft streikt 2005

In  den 1970igern wird das Gebiet hinter der heutigen Yunus-Emre-Moschee ausgebaut bzw. erschlossen. Zunächst wird 1965 der Berliner Ring gebaut. Die Breslauer Straße folgt. Dort entstehen große Supermärkte (damals Allkauf usw.) mit vielen Parkplätzen. 

1965
1965
Heute
Heute

Die Vennbahn, das Riesenprojekt aus dem vorletzten Jahrhundert, wird mehr und mehr abgebaut: zwischen Aachen und Brand wird der Personenverkehr 1959 stillgelegt und der Güterverkehr wird zwischen Rothe Erde und Brand wird 1984 eingestellt. Ab 1989 beginnt der Rückbau der Vennbahn.

Durch die Schließung der Kohlegruben und der Stahlwerke verliert der Bahnhof Aachen Rothe Erde an Bedeutung. 2004 werden die letzten Güterschuppen abgerissen und das Gleis zur Vennbahn demontiert.

 

Der Personenbahnhof wird 2007 modernisiert.

 

Der US-Automobilzulieferer Gates schließt 2010 sein Werk in Aachen. Der Hersteller von Antriebsriemen entlässt 500 Beschäftigte.

 

2019 leben in Aachen 250.000 Menschen.

 

Continental schließt die Reifenproduktion 2021 und 2023 den Rest des Werkes. Die Belegschaft hat Vorschläge für Veränderungen gemacht. Monatelang besetzen die Beschäftigten den Werkseingang. Die Konzern-Manager bleiben hart. Und wieder verlieren tausende Menschen ihre Arbeit.

 

Geschichte entwickelt sich weiter. Im Rahmen von Elektromobilität kommt es auf dem ehemaligen Philips-Gelände zu einem zunächst positiven Ereignis: die Ansiedlung eines Werkes für Elektrofahrzeuge.

 

Eine Gruppe um den RWTH-Wissenschaftler Günther Schuh entwickelt ein Elektrofahrzeug: e.Go Life.

 

Das E-Mobil-Fahrzeug, wird seit 2018 auf dem ehemaligen Philips-Gelände, montiert. Nach Angaben der Firma sollen Arbeitsplätze in erheblicher Menge geschaffen werden. Es ist sogar geplant, einen e.Bus zu produzieren.

 

Die Elektromobilität stockt aber. Eine Frage ist noch nicht geklärt: Wird es möglich sein, sich gegen die großen Automobil-konzerne im In- und Ausland zu behaupten?

 

Das Aus für die Fabrikation des e.Go ist 2024 beschlossen.

Es fand sich kein neuer Investor.

 

Inzwischen wird das Gelände des ehemaligen Continental Werkes als "C-Werk" vermarktet. Es sollen sich Startups mit Produktion ansiedeln.