Nazi-Zeit und Befreiung

Das Ende:  Der Reichsweg 1944
Das Ende: Der Reichsweg 1944

Ab dem Jahr 1933 regieren die Nationalsozialisten das Deutsche Reich. Einige Zeitgenossen glauben, dass man „den Schwamm drüber“ wischen sollte, wenn man diese Zeit nebulös darstellt („Es kam eine dunkle Zeit über Deutschland“)..

 

1933 erlangten die Nationalsozialisten die Macht durch demokratische Wahlen. Die Ermächtigungsgesetze beenden die Demokratie im Deutschen Reich nur ein paar Wochen später. 

 

Die Nazis herrschen mit starker Hand. Es nahmen viele bereitwillige Mitläufer am System teil.

 

Wer sich nicht auf Linie befindet, muss um sein Leben Angst haben.

Burtscheid
Burtscheid


Zerschlagung der Gewerkschaften in Aachen

 

Wer Sozialdemokrat, Gewerkschafter oder Kommunist ist, wird verhaftet, gefoltert oder umgebracht.

 

Am 2. Mai 1933 übernahmen SA-Verbände das Gewerkschaftshaus des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB) in der Kleinkölnstraße 18.

 

Der nationalsozialistische Stadtverordnete Quirin Jansen wurde zum kommissarischen Leiter des ADGB in Aachen ernannt. Die Angestellten der Gewerkschaften wurden im Schulungsraum festgehalten und verhört.

 

Klaus Haaß, der Vorsitzende des ADGB-Ortsausschusses und des Deutschen Textilarbeiterverbandes, wurde in „Schutzhaft“ genommen.

 

Seinen Kollegen Jean van Wersch und Cornelius Haller vom Deutschen Metallarbeiterverband erging es ebenso.

Haaß und weitere Kollegen konnten nach Belgien fliehen und waren dort im Widerstand aktiv.

 

Anna Braun-Sittarz, Betriebsrätin in einem Textilbetrieb und Stadtverordnete der KPD, betrieb bis 1934 einen Kiosk an der Ecke Mauer-/ Königstraße, der als konspirativer Treffpunkt für Partei und Gewerkschafter diente. Als dieser aufflog, musste sie für zweieinhalb Jahre ins Zuchthaus.

 

Text Peter Heuser (DGB Zeitung)

Gedenktafel Kleinkölnstraße 18
Gedenktafel Kleinkölnstraße 18


Vernichtung von "Feinden"

 

Jüdische Deutsche erfahren Erniedrigung. Geschäftsinhaber dürfen nicht mehr verkaufen. `Deutsche Volksgenossen` ist es untersagt, `bei Juden` einzukaufen.

 

Die Synagoge in der Promenadenstraße wird in Brand gesetzt und brennt nieder. Die Feuerwehr greift nicht ein.

 

In der Großkölnstraße wird das Schuhgeschäft des jüdischen Eigentümers Speier ausgeraubt und verwüstet.

 

Zahlreiche Juden werden festgenommen und getötet.

 

Ärzte werden aus dem Aachener Klinikum entlassen, da sie nicht der NSDAP beitreten möchten. In den Aachener Krankenhäusern werden Frauen zwangssterilisiert.

 

Im öffentlichen Dienst, insbesondere am Landgericht Aachen, verlieren viele Beamte ihre Stellen.


10. November 1938 in Aachen - Feuerwehr und Polizei greifen nicht ein


Alemannia Spieler Hans Max Silberberg aus der Aretzstraße 7 wird durch Nazis ermordet

 

Hans Max Silberberg (geb. am 24. Mai 1927 in Aachen), Sohn des Metzgers Hermann Silberberg (1891–1942 in Sobibor) und der Sophie, geborene Hirsch (1893–1942 in Sobibor), war Fußballspieler bei Alemannia Aachen. Am 4. Mai 1942 wurde er festgenommen und als Zwangsarbeiter in das Lager Rhenaniastraße in Stolberg verlegt. Von dort wurde er am 15. Juni 1942 über Koblenz, Köln und Düsseldorf zunächst in das Vernichtungslager Sobibor und anschließend weiter in das Konzentrations- und Vernichtungslager Lublin-Majdanek deportiert, wo er am

8. August 1942 ermordet wurde.

 

Text vom Förderverein Wege gegen das Vergessen

 

Link:



Folterkeller am Theaterplatz

 

Die Internetseite der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen dokumentiert anschaulich, wie die Gestapo wütete.

 

Link:



Auch in Aachen existieren Lager. Die gefangenen "Ostarbeiter" sind gezwungen, in den Aachener Fabriken zu arbeiten.

 

Sie werden, für die Bevölkerung sichtbar, vom "Lager Grüner Weg" in langen Fußmärschen durch die Straßen geleitet und zum Arbeiten in die Betriebe gebracht. Selbst als die alliierten Flugzeuge Bomben über Aachen abwerfen, dürfen die Häftlinge keine Schutzräume aufsuchen. Sie sind jedoch verpflichtet, Leichen zu bergen und den Schutt zu beseitigen.

 

Zusätzlich gibt es eine Lebensmittelknappheit. Die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs sinkt auf ein katastrophales Minimum. Aus diesem Grund werden ab 1942 Lebensmittelkarten ausgegeben, die lediglich den Kauf von Waren "ermöglichen".

 

Die Luftangriffe auf Aachen und andere Städte verschärfen die Situation der Bevölkerung. Diese Angriffe sind eine Reaktion auf gezielte deutsche Terrorangriffe auf die britische Zivilbevölkerung zur gleichen Zeit.

Bundesarchiv, Bild 183-H26799 / CC-BY-SA 3.0
Bundesarchiv, Bild 183-H26799 / CC-BY-SA 3.0
Schwere Treffer in der Hüttenstraße, Englebert 1941
Schwere Treffer in der Hüttenstraße, Englebert 1941


Vorher - Nachher

 

Krämerstraße 1935
Krämerstraße 1935
Krämerstraße 1944
Krämerstraße 1944


   Das Ende des 1000jährigen Reiches in Aachen

 

Rütscher Straße: Oberst Wilck bei der Übergabe der Stadt (Beifahrersitz)
Rütscher Straße: Oberst Wilck bei der Übergabe der Stadt (Beifahrersitz)
US Army in der Elsaßstraße
US Army in der Elsaßstraße

Im Oktober 1944 kommen die US-Truppen in Aachen an.

 

Die Nazi-Regierung in Berlin plant, Aachen als wichtige Großstadt "bis zur letzten Kugel" zu verteidigen.

 

Die Verachtung für die Menschen wird im letzten Tagesbefehl von Oberst Wilck deutlich:

 

"Die Verteidiger von Aachen werden sich auf ihre letzte Schlacht vorbereiten. Auf den kleinstmöglichen Raum beschränkt, werden wir gemäß den Anweisungen des Führers bis zum letzten Mann, der letzten Granate, der letzten Kugel kämpfen.

Angesichts des verächtlichen, verabscheuungswürdigen Verrats bestimmter Personen erwarte ich von jedem Verteidiger der ehrwürdigen Reichsstadt Aachen, dass er seine Pflicht bis zum Ende erfüllt, um unseren Eid auf die Flagge zu erfüllen. Ich erwarte Mut und Entschlossenheit.

Es lebe der F.. und unser geliebtes Vaterland! "

 

Die Stadt ist nicht mehr zu halten. General Wilck kapituliert. Am 21. Oktober 1944 fällt die Stadt Aachen

an die US-Armee. 

 

 

Der Rest Deutschlands befindet sich weiterhin im Krieg und die Nazis regieren dort noch bis zum 8. Mai 1945.


Das Gerücht, dass der letzte Nazi-Stadtkommandant, Graf von Schwerin, Aachen "gerettet" habe, hält sich schon sehr lange. Nach ihm wurde sogar eine Straße benannt.

Eine Untersuchung der RWTH Aachen hat jedoch keinerlei Beweise für diese Behauptung gefunden. Im Gegenteil: Schwerin war verantwortlich dafür, dass kurz vor der Kapitulation zwei vierzehnjährige Jungen aus Aachen wegen angeblicher Plünderung erschossen wurden.

Graf von Schwerin
Graf von Schwerin


Nach dem Krieg 

 

Nach dem Ende der Nazi-Diktatur haben die meisten Deutschen weder etwas gesehen oder noch gewußt.

 

Quelle Streitkräfte der Vereinigten Staaten
Quelle Streitkräfte der Vereinigten Staaten

Am 24. Januar 1945 erscheint die erste freie deutsche Zeitung, die Aachener Nachrichten.

 

Am 8. Mai 1945 erschein sie (links) mit der berühmten Schlagzeile:

Aufräumen: Trümmerfrauen Oppenhoffallee 1944
Aufräumen: Trümmerfrauen Oppenhoffallee 1944
Denkmal Oppenhoffallee Foto Sascha Faber
Denkmal Oppenhoffallee Foto Sascha Faber
US Soldaten vor Gelber Kaserne in der Düppelstraße
US Soldaten vor Gelber Kaserne in der Düppelstraße

10 Tage nachdem amerikanische Truppen Aachen von den Nazis erobert haben, wird Franz Oppenhoff am 31. Oktober 1944 zum Oberbürgermeister von Aachen ernannt. Er wird wenige Monate später, durch ein Nazi Kommando ermordet.

 

"Deshalb schickte die Naziführung in Berlin ein

Werwolf-Kommando nach Aachen, das Franz Oppenhoff am 25. März 1945 vor seinem Haus erschoss. "


(Inschrift Denkmal Oppenhoffallee).


In Aachen werden bereits 1939 Kriegsgräber auf dem Waldfriedhof angelegt. Es werden 2.700 Aachener getötet.

 

In der Stadt sind 42.000 der 52.000 Gebäude zerstört. Drei Millionen Kubikmeter Schutt liegen auf den Straßen.

 

 

Adalbertsteinweg Goerdelerstraße 1944 - Aufräumen ist angesagt
Adalbertsteinweg Goerdelerstraße 1944 - Aufräumen ist angesagt