Elsaßstraße und die Gelbe Kaserne

Die Elsaßstraße  oder Elsassstraße oder Elsassstrasse

Die Elsaßstraße, die sich zwischen dem Adalbertsteinweg und der Stolberger Straße erstreckt, war nie eine Prachtstraße.

 

Es sind die Mietskasernen des späten 19. Jahrhunderts, die das Bild dieser Straße prägten.

 

Selbst in den 1960er Jahren war sie ein buntes, jedoch graues Gemisch aus Wohn- und Geschäftshäusern.

 

Vor 30 Jahren gab es zudem noch viele Einzelhandelsgeschäfte.

 

Und auch damals war die Straße stets zugeparkt.

 

Aachen Elsaßplatz
Elsaßstraße

1900
1900
1981
1981
1981
1981

Nachdem das Gebiet um die Elsaßstraße erschlossen wurde, wurde es an das Streckennetz der Pferdebahn angeschlossen.

 

Ab 1880 verkehrte eine Bahn von der Elsaßstraße zum Hansemann. Im Jahr 1891 wurde eine Verbindung nach Rothe Erde eingerichtet. Ab 1895 wurde die Straßenbahn elektrifiziert.

 

Am 29. September 1973 fuhr die letzte Straßenbahn durch die Elsaßstraße. Die endgültige Stilllegung der

Linie 15 erfolgte ein Jahr später.

 

 

 

Elsaßplatz mit Büdchen und Stadtsparkasse
Elsaßplatz mit Büdchen und Stadtsparkasse

Im Bereich der Elsassstraße und dem angrenzenden Adalbertsteinweg gibt es heutzutage immer mehr Restaurants, Cafés und Imbissbuden. Diese sind nicht nur bei Türken beliebt. Daher wird scherzhaft von der Fressmeile im Ostviertel gesprochen.

 

Durch die Bemühungen der Sozialarbeiter der Stadt und des Kulturzentrums Nadelfabrik wird versucht, das multikulturelle Angebot zu kanalisieren. Das jährliche Kennedypark-Fest hat sich zu einer festen Institution entwickelt und ist über das Stadtviertel hinaus bekannt und beliebt.

 

Auch die bauliche Aufwertung des Kennedyparks hat und hatte positive Auswirkungen. Die neue Skaterbahn wird ebenfalls von vielen Jugendlichen genutzt, die nicht im Ostviertel wohnen.

Wie schon immer sind Schrebergärten, die hier in großer Zahl vorhanden sind, äußerst beliebt. Das gilt ebenso für die Sport- und natürlich die Karnevalsvereine.

 

Die Einkaufsmöglichkeiten im Ostviertel sind vielfältig. Es gibt eine große Anzahl türkischer Obst- und Lebensmittelläden. Aber auch Discounter, Supermärkte und Einkaufszentren sind in unmittelbarer Nähe vorhanden.

 

Der Versuch, in der Nähe ein großes Einkaufszentrum (Aachen Arcaden) zu etablieren, ist gescheitert. Von Anfang an gab es erhebliche Bedenken. Offenbar plant die Stadt Aachen nun, bestimmte Ämter dorthin zu verlegen.

 

Der Elsaßplatz hat viel erlebt: Kasernenplatz, Straßenbahndurchfahrt und auch PKW-Abstellplatz.

 

Der Künstler Prof. Benno Wert wurde 1978 beauftragt, den Platz aufzuwerten. Es wurde ein Platz geschaffen, der Marktstände ermöglicht und Ruhezonen bietet. Auch der Brunnen mit Wasserspielen soll Kinder zum Spielen anregen.

 

Die Idee war gut. Die Realität sieht heute jedoch ganz anders aus. Der Platz wirkt heruntergekommen und lädt nicht mehr zum Verweilen ein. Die Wasserspiele funktionieren nicht mehr, und seit langer Zeit findet kein Markt mehr statt.

 

Neue Ideen sind dringend erforderlich. So könnte beispielsweise die Ansiedlung von Außengastronomie Abhilfe schaffen.

 

Das Problem sozialer Randgruppen besteht weiterhin.

Elsaßplatz 1978
Elsaßplatz 1978
Bienenhaus in der Alsenstraße Aachen
Bienenhaus in der Alsenstraße
Yunus-Emre-Moschee
Yunus-Emre-Moschee
Einfahrt Elsaßstraße
Einfahrt Elsaßstraße
Aachen Elsaßplatz von Benno Werth
Nicht einladend: Elsaßplatz

Die Gelbe Kaserne

An der Stelle, an der sich heute der Kennedypark befindet, wurde 1882 eine Kaserne errichtet. Die Fassade ist mit gelben Klinkersteinen verkleidet und wird daher Gelbe Kaserne genannt. Zu dieser Zeit wurde das Gebiet als Kasernenviertel bezeichnet.

 

Die meisten Menschen, die in diesem Stadtteil während dieser Zeit lebten, waren mehr oder weniger von der Kaserne abhängig. Junge Frauen fanden Beschäftigung in den Haushalten der Offiziere oder anderen Angehörigen der Kaserne. Handwerker arbeiteten in kleinen Werkstätten: Sattler, Friseure, Metallhandwerker, Uniformschneider(innen), Schreiner, Schuhmacher, Lebensmittelläden (teilweise Kolonialwarenläden) und andere Kleingewerbetreibende.

 

Andere Menschen waren als Gärtner, Maurer oder in anderen Positionen innerhalb der Kaserne tätig. Viele kleine Werkstätten sind in den Wohngebieten bis heute sichtbar.

Ein paar Jahrzehnte später (1914) überzieht das Deutsche Reich, Europa mit einem unglaublich brutalen
1. Weltkrieg. 

 

Link:

 

 

Das besiegte Deutsche Reich muss 1918 dem Versailler Vertrag zustimmen. Dieser Vertrag sieht unter anderem vor, dass Eupen und Malmedy belgisch werden und das Rheinland bis zum Rhein von der belgischen Armee besetzt wird.

 

Der Kaiser in Berlin wird abgesetzt. Er bittet um Asyl in den Niederlanden. Nur mit dem Nötigsten ausgestattet, verschwindet er und reist mit 17 Eisenbahnwagen ins Exil.

 

Im Jahr 1918 zieht die französische Armee zunächst in die Gelbe Kaserne und in die umliegenden Häuser ein. Die belgische Armee kommt 1921 nach Aachen. Verschiedene umliegende Häuser dienen den Armeeangehörigen als Unterkunft, darunter die Josef-von-Görres-Straße, die Alsenstraße, die Düppelstraße, die Stolberger Straße und die Sedanstraße.

 

1929 zieht das belgische Militär ab.

 

Zehn Jahre später entfacht das Deutsche Nazi-Reich erneut einen Weltkrieg.

 

Nach der Befreiung Aachens am 20. Oktober 1944 ziehen die Truppen aus der Kaserne ab.

 

Seitdem wird die Kaserne als Notunterkunft genutzt. Die aus der Evakuierung zurückkehrende Bevölkerung sucht nach halbwegs intaktem Wohnraum. Eine leere Gelbe Kaserne bietet sich an, jedoch ist eine Kaserne keine Wohnanlage für Familien.

 

An den Renovierungen der Kaserne beteiligten sich zwischen 1946 und 1952 unter anderem Handwerker und Jugendliche aus Halifax in West Yorkshire/England. Dies führte zu einer jahrelangen Freundschaft zwischen den beiden Städten.

 

34 junge Halifaxer aus verschiedenen Berufen reisen nach Aachen und engagieren sich als Aufbauhelfer für das Heim 'Jugendwohl'. Diese Besuche wiederholen sich in den Jahren 1950 und 1951.

 

Erst nachdem sich in den 1960er Jahren die schlimmste Wohnungsnot durch intensiven Neubau allmählich beruhigt hat, können immer mehr Familien die Kasernen-Notunterkunft verlassen.

 

 

Link:

Elsaßplatz mit Gelber Kaserne
Elsaßplatz mit Gelber Kaserne
1910
1910
Truppen des Deutschen Reichs bereiten sich 1914 auf Krieg vor
Truppen des Deutschen Reichs bereiten sich 1914 auf Krieg vor
Säulen des alten Kaserneneingangs
Säulen des alten Kaserneneingangs
Schema der alten Kaserne und der Bebauung
Schema der alten Kaserne und der Bebauung
Gedenkstein für Völkerfreundschaft
Gedenkstein für Völkerfreundschaft
Düppelstraße Gelbe Kaserne 1953
Düppelstraße Gelbe Kaserne 1953